Armut entsteht zumeist nicht zufällig durch Schicksalsschläge. Sie ist Folge von ungerechten gesellschaftlichen Bedingungen und ungleichen Chancen. Von Armut betroffen sind verstärkt Frauen, Kinder, Menschen mit Migrationsgeschichten und niedrigem Bildungsstand. Ebenso führt lang anhaltende Arbeitslosigkeit meist über kurz oder lang in Armut.
Eine ausreichend bezahlte sichere Arbeitsstelle bietet einen gewissen Schutz vor Armut. Arbeit ist als Menschenrecht verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Hier heißt es im Artikel 23 Satz 1: „Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.“
Von diesem Menschenrecht sind in einer Gesellschaft mit anhaltend hoher Erwerbslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit und einer Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse eine immer größer werdende Zahl von Menschen ausgeschlossen. Für sie bedeutet das nicht nur finanzielle Verluste, sondern oftmals auch den Ausschluss von sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe, Anerkennung, Wertschätzung und damit nicht selten soziale Isolation. Insbesondere in einer Gesellschaft, die sich an Wohlstand und Konsum orientiert, sind die Folgen für die von Erwerbslosigkeit Betroffenen besonders gravierend. Lang andauernde Arbeitslosigkeit, Armut und prekäre Beschäftigungsverhältnisse beeinträchtigen nicht zuletzt Gesundheit, das seelische Wohlergehen und die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde.
Als Arbeitsloseninitiative möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Arbeitslosigkeit und ihre weitreichenden Folgen als gesellschaftliches Problem wahrgenommen und behandelt werden. Wir bieten betroffenen Menschen einen Ort bieten, an dem sie als Menschen angenommen und wertgeschätzt werden, sich mit anderen austauschen und zusammenschließen, Selbstbewusstsein wieder aufbauen und soziale Teilhabe erfahren können.
Weil Arbeitslose und von Armut betroffene Menschen mit ihren Anliegen oft kein Gehör finden, bieten wir uns als Sprachrohr an. Wir unterstützen die Selbstermächtigung von Einzelnen und Gruppen und stellen Räume und Ressourcen zur Verfügung. Gemeinsam engagieren uns mit Betroffenen und vielen Kooperationspartner*innen für soziale Gerechtigkeit, für gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen und für ein gesichertes Einkommen, welches für auskömmliches, gutes Leben reicht.
Niemand sollte aufgrund von Armut, Erwerbslosigkeit und auch nicht aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder anderer Gruppenzugehörigkeit diskriminiert werden. Alle Menschen haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Dasein. Deshalb setzen wir uns gemeinsam mit anderen regelmäßig bei öffentlichen Aktionen für Vielfalt, Menschenrechte und Demokratie und gegen Diskriminierung ein.
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