2024 - 2025: Mut zur Vielfalt

Mit Hammer, Stecheisen, Säge und Raspel bauten Erwerbslose unter Anleitung von Martina Bodenmüller Skulpturen aus Porenbeton. Einige der 20 Teil­nehmenden haben sich teilweise zum ersten Mal an solch eine handwerkliche Arbeit gemacht, andere ihre künstlerischen Erfahrungen eingebracht. Alle haben ausdrucksstarke Gesichter gestaltet.

Ausgangsmaterial waren gebrauchte Porenbeton-Steine aus einer Privatspende. Die Steine weisen Bruchkanten und Verschmutzungen auf, sind teilweise noch mit Mörtel und Zement beschmiert. Man sieht ihnen die Spuren ihres „früheren Lebens“ an, wo sie in einem Schuppen im Vogelsberg verbaut wurden.

Skulptur Kleiner Löwe Großer Mut  Arbeit an den Skulpturen für Mut zur Vielfalt  Arbeit an der Skulptur Triops

Anstatt sie als Bauschutt zu entsorgen, werden sie hier weiterverwendet. Trotz ihres Al­ters und ihrer Makel bekommen sie hier eine neue Bedeutung. Und das wünschen sich die Menschen, die in die Arbeitsloseninitiative kommen oft auch: dass sie trotz ihrer sogenannten Vermitt­lungshemmnisse noch einmal eine Chance bekommen. Gleichzeitig wollen wir mit dem Titel „Mut zur Vielfalt“ zeigen, dass alle Menschen gleichermaßen wichtig und wertvoll sind, egal wo sie herkommen, wie viel sie verdienen oder welche Religion oder Sexualität sie praktizieren.

Denn in die Arbeitsloseninitiative kommen täglich Menschen mit ganz verschiedenen Le­bensgeschichten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine Arbeit suchen und / oder Bürgergeld be­ziehen. Wenn in der Gesellschaft von „dem Bürgergeldempfänger“ gespro­chen wird, wird oft vergessen, welch verschiedene Lebenssituationen, Geschichten und Schicksale da­hinter stecken. Der 59-jährige Metallarbeiter, der wegen eines kaputten Rückens nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, die 35-jährige Alleinerziehende mit 3 Kindern oder der 48-jährige Syrer, der in seinem Heimatland Ingenieur war. In der Arbeitsloseninitiativ­e haben sie die Chance unter Menschen zu kommen, Beratung und Unterstützung zu erhalten und sich im Beschäftigungsprojekt „Begegnung und Netzwer­ke“ sinnvoll zu beteiligen. Dabei können sie ihre Fähigkeiten einsetzen und erweitern oder auch etwas ganz neues auszuprobieren.

„Das war anfangs schwer und ungewohnt für mich und etwas gewöhnungsbedürftig. Mit zunehmender Dauer wurde es dann einfacher und hat auch Spaß gemacht“, berichtet ein Teilnehmer. „Meine Skulptur habe ich einfach ,Mensch’ genannt. Denn Menschen sind wir alle und sollten alle mit Würde behandelt werden.“

Eine andere Teilnehmerin nennt ihre Skulptur „Penenara“, was auf maori „Atem des Le­bens“ bedeutet. „Ich habe dabei an Inkas, Maori und Aborigenes gedacht, Völker mit einer ganz beeindruckenden Lebensweise, die aber auch oft diskriminiert werden. Man sollte sie respektieren und ihnen ihren Lebensraum zurückgeben.“ Sie beschreibt die Arbeit am Stein als meditativ und beruhigend.  

Eine weitere Teilnehmerin bearbeitet ihre eigene Erfahrung als alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Behinderung in der Arbeit am Stein. „Mensch mit Herz“ heißt die Skulp­tur, die glücklich lächelt, aber auch oft diskriminiert worden sei. „Wir haben da sehr viel Ausgrenzung und Anfeindung erlebt. Jetzt erst kann meine Tochter damit umgehen und darüber stehen. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung nicht ausgegrenzt, sondern wertgeschätzt und integriert werden.“

Porenbetonköpfe bei Fluss mit Flair  Gruppenbild Hardtgärten  Ausstellung im KuKuK Wettenberg


Mit der Ausstellung der Porenbeton-Gesichter möchten die Künstler*innen ein Zeichen setzen gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung und für Vielfalt, Respekt und Toleranz. Gebaut wurde auf dem Kinder- und Jugendbauernhof „die Hardtgärten“ wo genug Platz zum Werkeln zur Verfügung stand.

Die Skulpturen wurden inzwischen an vielen Orten ausgestellt: 2024 zeigten wir sie bei der Open-Air-Kunstausstellung Fluss mit Flair und im Kulturbahnhof Lollar, 2025 kamen weitere Skulpturen hinzu und wir konnten sie im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung "Gemeinsam" im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg präsentieren. Die Broschüre Mut zur Vielfalt kann am Ende der Seite heruntergeladen werden. 

 

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